Am Sonntag, 05.05.2019, luden die Freien Wähler Baienfurt zum Infonachmittag mit dem Thema „Klimawandel im Schussental“ ein. Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger machten sich auf den Weg nach Köpfingen, um bei trotz unsicherer Witterung dem Vortrag von Roland Roth beizuwohnen. Unter den knapp 100 Zuhörern fanden sich am Aussichtspunkt Köpfingen, neben Bürgermeister Günther A. Binder, nicht nur zahlreiche Gemeinderatskandidaten der Freien Wähler, sondern auch der konkurrierenden Listen ein.

Vor der beeindruckenden Kulisse des Schussenbeckens konnte der erste Vorsitzende der Freien Wähler Baienfurt, Richard Birnbaum, außerdem eine große Delegation der Freien Wähler Weingarten sowie Gäste aus Baindt begrüßen. Die Weingärtner Gäste hatten an diesem Nachmittag auch ihren spektakulären Wahlkampf-VW-Käfer mitgebracht. Nach der Begrüßung übergab der Vorsitzende Richard Birnbaum das Wort an Roland Roth, dem Leiter der Wetterwarte Süd, der eigens zu seinem Vortrag mit dem Fahrrad von seinem Wohnort Bad Schussenried nach Köpfingen angereist ist.

Roland Roth begann nach kurzen erklärenden Worten zur Entstehung des Schussenbeckens und der damit verbundenen geologischen Besonderheiten, die Veränderungen des Klimas anhand der Wetteraufzeichnungen der letzten 100 Jahre näherzubringen. Ein Grad beträgt die durchschnittliche globale Erwärmung in diesem Zeitraum. In Süddeutschland beträgt die Veränderung sogar 1,5 Grad. Roland Roth rechnet damit, dass das Wetter in Zukunft extremer wird, „und zwar in alle Richtungen“, das heißt Sturm, Hitze und Niederschläge. Speziell im dicht besiedelten Schussenbecken wird dies zu spüren sein. Er warnt in diesem Zusammenhang auch vor einer weiteren Verbauung von dessen Hanglagen. Insbesondere in Ravensburg wird dies ein großes Problem werden. Die Verbauung führt verstärkt dazu, dass die Luft im Tal nicht mehr zirkulieren kann und ein Abkühlen über Nacht ausbleibt. Die häufige Inversionswetterlage verstärkt diesen Effekt und hält zusätzlich auch die Schadstoffe in der Luft am Talboden. Er gipfelte das Problem mit der Aussage: „In 30 Jahren würde ich nicht mehr im Schussenbecken leben wollen“.

Des Weiteren ging er auch auf die durch den Klimawandel ausgelösten weltweiten Probleme wie Klimaflüchtlinge, Wasserknappheit und sich ausbreitende Wüstenregionen ein. Seinen trotz der düsteren Zukunftsaussichten launigen Vortrag schloss er mit seinen Lösungsvorschlägen, um den Klimawandel in Grenzen zu halten. Fleischverzicht halte er nur in sehr begrenzten Rahmen für dazu geeignet. Die Möglichkeiten liegen hauptsächlich im Wandel der Mobilität.

In diesem Zusammenhang warb er für einen weiteren Ausbau des Radwegenetzes. Er appellierte auch an die Entscheidungsträger den Radweg zwischen Baienfurt und Bergatreute entlang der für Radfahrer lebensgefährlichen L314 zu bauen. Dieser wird momentan von der grün-schwarzen Landesregierung, vertreten durch den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann, für nicht notwendig erachtet.

Roland Roth regte außerdem die Zuhörer an, die persönlichen Verhaltensweisen zu überdenken. Die eigenen Kinder beispielsweise mit dem SUV zur „Fridays for Future“-Demo zu kutschieren sei auf jeden Fall fragwürdig, berichtete er von eigenen Beobachtungen. Auch von unnötigen Flugreisen riet er ab. Nach einer guten Stunde beendete er mit einer Wettervorhersage für die nächsten Wochen seinen äußerst unterhaltsamen, aber auch nachdenklich machenden Vortrag. Anhaltender Beifall des gebannt zuhörenden Publikums war ihm gewiss.

Der erste Vorsitzende Richard Birnbaum bedankte sich anschließend sehr herzlich beim kompetenten Experten und übergab dann das Wort an Bürgermeister Günther A. Binder, der in seinem Grußwort auch auf das Thema Kiesabbau im Altdorfer Wald zu sprechen kam. Es folgten weitere kurze Grußworte der Gäste aus Weingarten und Baindt.

Im Anschluss ergriff Roland Roth noch einmal das Mikrofon. Er kam nicht umhin, die bisher von Niederschlag verschonten Anwesenden auf eine sich nahende Schneefront hinzuweisen, die die Zuhörer in den nächsten Minuten von Westen her erreichen wird. Er riet den Anwesenden sich schnellstens ein Dach über dem Kopf zu suchen. Der Fachmann behielt natürlich recht und kurz darauf setzte ein heftiger Schneeregen ein.

Der geplante Rundgang in Köpfingen entlang der herrlich blühenden Freien-Wähler-Obstbaumallee fiel daher ins Wasser und ein großer Teil der Zuhörer  begab sich direkt zum Mostbesen Reistenbach in das eigens für die Veranstaltung reservierte beheizte Zelt zur Einkehr. Herzlichen Dank der Familie Reistenbach für die vorzügliche Bewirtung. Ebenso ein herzliches Dankeschön an Roland Gabriel für die professionelle Beschallung der gesamten Veranstaltung. Frisch gestärkt und aufgewärmt machten sich die Gäste im Anschluss auf den Heimweg und der rundum gelungene Nachmittag fand mit der gemeinsamen Einkehr seinen geselligen Abschluss.


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